Donnerstag

Der innere Schweinehund und das Essen

Platz 5
Marvin weiß schon: Sport ist Mord. Jetzt lernt er: Essen ist Folter.

Ich bin ein Schweinehund. Und das war gut so. Bis mein Besitzer und Herrchen Tom mit dem Laufen anfing. Es folgten Flausen im Kopf und Blasen an den Füßen. Und Erlebnisse wie dieses hier.

Irgendwann vor langer Zeit hat Essen einmal Spaß gemacht. Mit dem Spaß war es leider vorbei, als Herrchen unsere Ernährung höheren Zielen unterordnete. Oder, um es mit seinen Worten zu sagen: »Wir ersetzen die Lust am Essen durch eine größere Lust. Die Lust, fit zu sein.«

Würg.

Hiermit also herzlich willkommen bei der Horror-Hitparade Herrchens' kulinarischen Kuriositätenkabinetts. Um keine Zweifel an meiner eigenen geistigen Unversehrtheit aufkommen zu lassen, stelle ich gleichzeitig meine eigenen Top 5 vor.

Auf seinem Platz Fünf ist dabei eine Mischung aus 500 Gramm Haferflocken, 200 Gramm selbstgeschroteten Roggenkörnern, drei Esslöffeln Weizenkeimen, je einer Tasse voll Kokosflocken und Sonnenblumenkernen, jeweils einer halben Tasse voll Sesamkörnern, Leinsamen und Mandelsplittern, und zwei Tassen voll kleingeschnittener Trockenaprikosen, die er in eine nicht zu heiße Pfanne mit 100 Gramm hitzebeständigem, nativen Rapsöl, einem halben Glas Akazienhonig, drei Esslöffeln braunem Zucker, Zimt, dem Saft einer halben Zitrone und Vanillinzucker einrührt.

Das Ganze ergibt… Nun, sagen wir, Dr. Frankenstein schuf aus seinen Zutaten ein Monster, Mr. Magerquark macht Müesli. Einen besonderen Namen hat er nicht dafür. Je nach Darreichungsvariante würde ich die körnig-klebrige Masse unterschiedlich nennen. Die Makronenform hat bei mir den Arbeitstitel ›Meisenknödelbombe Surprise‹, weil man nicht weiß, bei welchem Bissen sie auseinanderfällt. Auch schön: ›Hamsterbackenfutter an Frischhaltefolie‹, nämlich zu Riegeln geformt und eingewickelt, damit man es mitnehmen und sich beim Frühstück am Büroschreibtisch damit vollbröseln kann. Oder einfach so, wie es ist, mit Milch als ›Schwachgebratene Haferflocke in Transoße‹, was immerhin ein passendes Kürzel aus Anfangsbuchstaben ergibt.

Vor uns steht denn also eine blau glasierte Steingutschüssel aus einer Töpferei in Soufflenheim im Elsass. Darin vier gehäufte Esslöffel S.H.i.T. in Milch, die ich missmutig beäuge. Die Milch hat vom Umrühren eine leicht bräunliche Farbe bekommen. Könnte Honig oder Zimt sein, aber auch gefährliche Dinge wie Omega-3 Fettsäuren oder gar Ballaststoffe. Wie kleine Fettaugen schwimmen die Sesamkörner an der Oberfläche. Die klebrigen Brocken sind schwer von Ballaststoffen auf den Grund der Schüssel gesunken. Das Zeug zu kauen wird bestimmt anstrengend, mal eben nebenbei wegmampfen, also meine bevorzugte Art der Nahrungsaufnahme, scheint hier kaum umsetzbar. »Ich will das nicht essen«, maule ich.

»Du hast es doch noch gar nicht probiert«, meint er.

»Das sieht aber nicht lecker aus.«

»Riech’ doch wenigstens mal dran.« Er schnuppert selbst und ist begeistert von Röstaromen, Fruchtigkeit, sowie Noten von Karamell und Nüssen.

Ich rümpfe nur die Nase und fürchte, dass er bei dieser Geschmacksverwirrung irgendwann anfängt, Vogelhäuschen leerzufressen.

Auch der Geschmackstest fällt zu seiner Zufriedenheit aus. Das Müesli ist kernig, aber durch die Zubereitung in der Pfanne längst nicht so kauintensiv wie ungebratene Körnermischungen. Die vier Esslöffel, etwa 100 Gramm, sättigen ihn für einen aktiven Vormittag. Er lauscht in seinen Körper hinein und bildet sich ein, wie Omega-3 Fettsäuren die Elastizität seiner Blutbahnen schmieren. Wie kleine Haferflockenschwämmchen das schädliche LDL-Cholesterin von den Gefäßwänden tupfen. Wie Bio-Körner Vitalität wecken.

»Körnerfresser. Du wirst noch so grün, bald kannst du Photosynthese«, stichele ich.

Nur zwei Nachteile hat das Backenfutter aus seiner Sicht: Es passt nicht besonders gut zu Kaffee und es ist ewig aufwendig bei Einkauf und Zubereitung.

Aus meiner Sicht ist dieses Zeug ein einziger Nachteil. Deswegen bei mir auf Platz Fünf: Ein frisches Weizenbrötchen mit reichlich Nutella. Sehnsüchtig stelle ich mir vor, wie ich diese Köstlichkeit in drei Bissen hinunterschlinge. Ein Nutellabrötchen hat ein äußerst günstiges Verhältnis von Kalorienaufnahme zu Konzentrationsaufwand. Es lässt sich einfach viel schneller und unbewusster vertilgen als dieses Körnerzeug. Das führt zu dem willkommenen Effekt, dass man schon nach kurzer Zeit ein neues möchte. Nach so ein, zwei Weizenbrötchen mit Nutella morgens kann der Heißhunger tagsüber schon mal so groß werden, dass man vier Tafeln Vollmilchschokolade in zehn Minuten verdrückt. Und abends noch einmal einen halben Liter Vanilleeis. Und schon ist man rundherum so gesättigt wie die bewährten Industriefette, die man damit zu sich genommen hat.

Für seinen Platz Vier müssen wir uns beschämt in die Schmuddelecke einer Drogerie zurückziehen. Eigentlich lehnt er Nahrungsergänzungsmittel ab. Aber nachdem er ausgerechnet hat, dass seine erklärten 80 Gramm Eiweiß pro Tag anders kaum erreichbar sind, hat er sich also entschlossen es mit einem Proteinpulver zu versuchen. Im untersten Regal stehen drei unterschiedliche Geschmacksvarianten.

»Möchtest du Erdbeer-, Schokoladen-, oder Vanillemuckies?«, grinse ich. Er entscheidet sich für Schokolade und schleicht zur Kasse. Die Zubereitung ist vergleichsweise einfach: Vier gehäufte Teelöffel davon in einen Becher Milch rühren. Ergibt eine cremige Mischung, die an sahnigen Kakao erinnert. Er bildet sich ein, dass seine nach essenziellen Aminosäuren lechzenden Muskelfasern diesen Trunk geradezu aufsaugen.

Meine Alternative auf Platz vier: Gummibärchen. Enthalten auch Eiweiß. Zwar nur 6 Prozent im Vergleich zu den 80 Prozent von ›Power Plus‹, aber mit der richtigen Menge (einfaches Rechenexempel: Statt 30 Gramm Eiweißpulver 400 Gramm Gummibärchen) kann man gegenhalten. Er hält dagegen, dass das Eiweiß in Gummibärchen ausschließlich von Gelatine herrührt, die eine biologische Wertigkeit von Null habe, weil sie eine bestimmte essenzielle Aminosäure (Tryptophan) nicht enthielte. Da kann ich nur kontern, dass Schokolade jede Menge Tryptophan enthält. Also sollte man die 400-Gramm-Tüte Gummibärchen immer mit mindestens der gleichen Menge Schokolade kombinieren, dann sprießen die Muckies sozusagen von selbst. Und man zeigt sich dezent und bedeckt sie mit einem kuscheligen Body-Mass-Index jenseits der 30.

Nun zu seinem Platz Drei. Ich hasse Platz Drei. Denn Platz Drei hat Süßigkeiten ersetzt. Und wir haben bis vor kurzem eine Menge Süßigkeiten gegessen. Und eigentlich sind die vollkommen unersetzlich. Ich meine, man denke nur an den Verzehr einer Packung Choco Crossies, bei mir auf Platz Drei. Schon beim Anblick schießt der Speichel in den Mund ein, und hineinzubeißen ist ein Glücksgefühl, so groß, dass man schon beim Hinunterschlucken nach der nächsten Ladung greift und sie möglichst schnell hinterher schiebt. Notgedrungen unterbricht man kurz diesen Kreislauf, wenn die Packung leer ist. Nimmt einen Schluck Kaffee, um die Geschmacksnerven wieder frei zu spülen. Und dann reißt man die nächste Packung auf und macht dort weiter, wo man aufgehört hat. Genau wie Nutella warten die Choco Crossies mit einer ausgewogenen Nährstoffbilanz auf: 27 Gramm Fett (davon gesättigt: 14), 57 Gramm Kohlenhydrate (davon Zucker: 41), 9 Gramm Eiweiß mit unbestimmter Wertigkeit sowie praktisch keine Ballaststoffe.

Zwar mag es sein, dass der Körper eines Steinzeitmenschen bei der Verwertung dieser konzentrierten Menge simpler Kohlenhydrate und unessenzieller Fettsäuren in ein Stoffwechselchaos gestürzt wäre, aber wen interessiert das? Unser Wohlstandsmagen kommt damit doch ganz wunderbar zurecht. Und mit unserem Insulinpegel spielen die Crossies Hau-Den-Lukas, dass es nur so klingelt, da haben wir gleich noch so etwas wie Sport.

Seine Alternative auf Platz Drei heißt getrocknete, ungeschwefelte Aprikosen, garniert mit Walnüssen. Genauer gesagt, eine Portion davon umfasst drei Trockenaprikosen mit je einer Walnusshälfte. Und sein Hunger auf Süßes ist gestillt. Meiner will weiter schreien, ist aber durch Apri-Nuss seltsam ermüdet. Das muss am Aussehen dieser bräunlichen, faltigen Trockenfrüchte liegen.

»Bäh«, meine ich, »so stelle ich mir überfahrene Känguruhoden vor.«

»Ich stelle mir überfahrene Känguruhoden eigentlich gar nicht vor«, kontert er. »Und deine Choco Crossies sehen aus wie getrockneter Waldmausdurchfall.«

»Dafür schmecken sie nicht so nach…«

»Angenehmer Süße gepaart von einem Anflug von Bitterkeit?«, unterbricht er mich. »Und wunderbar cremiger, fast seidiger Konsistenz?«

»Redest du jetzt von Waldmausdurchfall?«

»Nein, von Apri-Nuss natürlich. Vergleichen wir doch mal das Gefühl nach 100 Gramm Crossies mit dem Gefühl nach 100 Gramm Apri-Nuss.«

»Pfui, hundert Gramm davon würde ich gar nicht auf einmal essen wollen.«

»Aber 100 Gramm Crossies?«

»Eher 200 Gramm.«

»Also, dann eben nach 200 Gramm. Du kannst mir nicht erzählen, dass du dich danach vollkommen zufrieden und im Gleichgewicht fühlst.«

»Aber genau so ist es.«

»Danach? Oder nur dabei?«

»Nach den Crossies ist vor den Crossies.«

»Kein schlechtes Gewissen? Kein Gefühl, als hätten wir es ein wenig übertrieben? Als hätte man uns klebrigen Sirup in den Tank gegossen? Als hätten wir einen Haufen Werbegeschenke bekommen, die wir nicht brauchen aber auch nicht gleich wegschmeißen können, sondern im Gerümpelkeller auf der Hüfte lagern müssen?«

»Nö.« So habe ich die Sache wirklich noch nicht gesehen.

»Apri-Nuss dagegen ist eine Gabe, die der Körper dankbar annimmt, die er sogar braucht.«

Ach, jetzt gibt er sich selber wieder das Omega-3-Stichwort. »Es ist viel zu wenig bekannt«, schwadroniert er, »dass Omega-3 Fettsäuren Entzündungen hemmen können. Und wie unterversorgt wir mit unserer üblichen Ernährung sind.«

»Und schon machst du aus einer essenziellen Fettsäure eine existenzielle Fantasie. Und dabei unterscheidest du noch nicht einmal zwischen pflanzlichen und tierischen Omega-3-Fettsäuren, die vom Körper ganz anders verwertet werden können.«

Bei seinem Platz Zwei angekommen, stoßen wir auf der Skurrilitätenskala langsam in eine neue Dimension vor. Vieles mussten unschuldige Nahrungsmittel im Namen menschlicher Geschmacksinquisition über sich ergehen lassen. Kartoffeln wurden gestampft, Aal geselcht, Schaschlik gespießt, Gänseleber gestopft, Eier geschlagen, Tomaten gevierteilt, Korn gedroschen und er schmort Quark. Magerquark, selbstverständlich. Eine Menge gehackter Zwiebeln zusammen mit 50 Gramm fettarmen Schinkenwürfeln dünstet er in der Pfanne mit wenig Wasser glasig. Darauf kommen 500 Gramm Quark zusammen mit zerschnippelten Tomaten oder Paprika, frischer, scharfer Peperoni, einem Schuss Oliven- oder Rapsöl und allerhand Gewürzen wie Curry, Pfeffer, Salz und Oregano. Als mageres Zugeständnis an den Kohlenhydratanteil fügt er ein paar Kartoffeln, Nudeln, oder besser noch Kidneybohnen und Mais hinzu.

Diesem Milchbubichili schreibt er eine Reihe von Vorteilen zu, unter anderem wäre es schnell gemacht, herzhaft-lecker, unterstütze die Abwehrkräfte und enthielte über 60 Gramm Eiweiß. Mag ja sein, aber dafür rangiert es auch in punkto ›das Auge isst mit‹ irgendwo zwischen Porridge und Dulux Feste Farbe.

Ach, wie wohl wird mir dagegen, wenn ich an meinen Platz Zwei denke! Eierspätzle mit Schmelzkäse-Schinken-Sahnesauce. Ultraschwer. Schon beim Hinunterschaufeln des ersten Löffels fühlt man sich satt und kugelig, und trotzdem will man immer mehr. Nach drei gehäuften Tellern ist es im Bauch so warm und bleiern als hätte man einen biskingetränkten Lodenmantel intus; Verdauung ist nur noch auf einer Couch möglich. Das Beharrungsvermögen dieses Klassikers in der Peristaltik lässt sich durch einen anschließenden Caramell-Macchiato nochmals steigern.

Und wo wir gerade bei Steigerungen sind, kommen wir zu meinem Platz Eins: Der Riesencurrywurst mit Pommes Rot-Weiß. Manche Dinge kann man immer wieder genießen, und dazu gehört, wenn beim Biss in die Wurst das Bratfett herausquillt und den Gaumen bereit macht für ein dickes Mayohäubchen auf salzigem Pommes. Unvergleichlich.

Dieser Imbiss landet im Verdauungstrakt wie die Alliierten in der Normandie. Bis diese Schlacht geschlagen ist, versinken unsere hyperaktiven Mitochondrien, die sonst in Muskel- und anderen Fitness-Terrorzellen ihr Unwesen treiben, in eine stundenlange Lethargie. Anfangs versucht der Stoffwechsel noch wie ein bankrotter Prospektor in diesem Schlamm von Transfetten nach etwas Verwertbarem zu schürfen, dann kapituliert auch er und winkt alles in die Bevorratungskammern an der Hüfte durch. Und jeder Gedanke an körperliche Aktivität weicht dem innigen Wunsch nach Fernsehen und Dosenbier.

Schon die Fakten wiegen schwer. Die Wurst: 300 Gramm, 800 Kalorien, 75 Gramm Fett (gesättigt, natürlich, nicht eingerechnet das aufgesogene Bratfett), 35 Gramm Eiweiß und praktisch keine Kohlenhydrate. Dazu eine gleiche Menge Pommes: 900 Kalorien, 45 Gramm Fett (gesättigt oder gehärtet), 12 Gramm Eiweiß und etwa 75 Gramm Kohlenhydrate. Die Kelle Ketchup fällt mit 50 Gramm, 45 Kalorien, keinem Fett, 10 Gramm Kohlenhydraten und kaum Eiweiß praktisch nicht ins Gewicht, aber der Klacks Mayonnaise rundet das Ganze nochmals richtig ab: 50 Gramm, 375 Kalorien, 40 Gramm Fett und der Rest ist egal. Macht Summa summarum den Tagesbedarf an Kalorien, den Wochenbedarf an Fett, genug Cholesterin bis ans Lebensende und garantiert nicht eine einzige Omega-3-Fettsäure. Welches andere Nahrungsmittel kann uns das bieten?

Bestimmt nicht sein Platz Eins. Arbeitstitel: Schokobrot. Wenn Zutaten Sportschüler wären, die zwei Mannschaften bilden, indem wechselseitig die Besten und Beliebtesten gewählt werden, so säßen die Zutaten für Schokobrot mit Sicherheit als Letzte noch auf der Bank.

Was ist es eigentlich? Die Bezeichnung Brot trifft es wohl am ehesten. So sieht es zumindest aus, bis er 100 Gramm schwach entöltes Kakaopulver in den Teig rührt, der bis dahin nicht viel mehr als geschrotetes Korn und andere mehr oder weniger übliche Backzutaten enthält. »Was soll das werden?«, frage ich. »Vollkorn-Marmorkuchen?«

»So in der Art.«

»Hallo?! Und als nächstes kommen Dinkel-Lollis?«

Er schweigt und knetet. Die Zutatenliste dieses Back-Wahns liest sich wie eine Geisterbahnfahrt durch die Reformhausauslage: Je 500 Gramm selbstgeschroteter Roggen und Dinkel-Vollkornmehl, 250 Gramm Haferflocken, 100 Milliliter natives Rapsöl, 100 Gramm Walnüsse, etwas Salz, ein Esslöffel Honig, 2 Tüten Hefe, ein Viertelliter Wasser sowie – und jetzt kommt’s – in einem Kilo Magerquark verrührte 100 Gramm schwach entöltes Kakaopulver.

Allein beim Kneten verbraucht man einen Großteil der reichlichen Kalorien, mit denen das Schokobrot aufwartet: Nämlich pro 100 Gramm 270 davon, verteilt auf 29 Gramm Kohlenhydrate und je 11 Gramm Fett und Eiweiß. Damit ist die Kaloriendichte genauso groß wie bei der Currywurst. Wozu also der ganze Aufwand, sollte man sich fragen. Eigentlich sollte man ihn das lieber nicht fragen, denn dann schwadroniert er los und faselt etwas von ausgewogener Nährstoffbilanz, perfekten Kohlenhydraten, Ballaststoffen, Antioxidanzien, Glückshormonen und, na klar, Omega-3-Fettsäuren. Dann setzt er noch einen drauf und delektiert sich an »Konsistenz von Nusskuchen«, »Schokoladennoten« und »Nahrung für Körper und Seele«. Er meint, das sei doch geradezu eine ideale Form der Ernährung.

Ich entgegne, dass er eine Menge mehr ideale Ernährungsformen kennen lernen würde, wenn er denn endlich mal auf mich höre.

»Ist es nicht eine Freude zu erleben, wie gut uns das Brot tut?«, fragt er.

»Nein. Es schmeckt fade wie… Roggenpampe mit gemahlenen Kakaobohnen. Schokolade ist einfach tausendmal besser.«

»Du hast noch nicht das absolute Gehör für die Harmonien unseres Körpers.Nach dem Brot spielt der Körper die ganze Klaviatur des Wohlbefindens. Und nach Choco Crossies hupt er eher in die Tuba.«

»Weißt du noch, wie du deinen Kindern das Brot angeboten hast? Und sie lieber einen Teller Spinat wollten?«

Er macht ein unverständliches soziales Geräusch.

»Und wie dein Vater einen Bissen genommen hat? Und plötzlich ein Gesicht machte wie bei einer Darmspiegelung?«

Er grunzt vorsteinzeitlich.

»Ich wette, es braucht nicht einmal Konservierungsstoffe, weil selbst Schimmelpilze da an ihre Geschmacksgrenzen kommen.«

Er meint dazu: »Du musst Ernährung mehr funktional betrachten. So wie Atmen. Man tut es einfach so viel und so häufig, wie der Körper es eben braucht. Mit möglichst guter Luft. Wenn du Essen nur als Unterhaltung oder Ablenkung siehst, gewissermaßen als Geschmacksspielfilm, fangen die Probleme an. Es soll ja nicht nur Spaß machen.«

»Keinen Spaß machen? Du hast doch nicht mehr alle Körner im Müesli.« Entnervt wende ich mich ab und diskutiere lieber mit Kollege Blinddarm den Sinn des Rumhängens.

Pah.

***

Weiter geht es mit unseren Trainingstipps in der Druckfassung von ES läuft. Die ist im Buchhandel erhältlich - oder bei mir.

Kommentare:

  1. sorry, Marvin, aber wenn Du Dich in dieser Weise von Deinem Herrchen an die leine legen lässt und Deinen Widerstand nicht bis zur unwürdigsten destruktiven Phantasie genau dann wie eine Speerspitze in das allzu machtvolle Vernunftsareal im Gehirn Deines Herrchens borst, wenn dieser in einem der seltenen Anflüge von Schwäche der reinen Harmonie hingeben möchte, dann bist Du, lieber Marvin, nur ein Weichei unter uns Schweinehunden.
    Neben mehr Mumm im Kampf mit Deinem Herrchen brauchst Du auch ein gewisses Maß an Cleverness. Regel 1: Spare Kraft für die besonderen Momente. Etwa die lange Autofahrt, für die sich Herrchen nicht ernährungstechnisch vorbereitet hat. Soll ja mal vorkommen. Jetzt schlägt Deine Stunde. mach ihm Kohldampf ohne Ende. Paktiere mit den gedehmütigten Insulinzellen und plane gemeinsam mit den viel zu dick ummantelten Nerven eine sinnenfrohe beachparty: Alles, was süß ist, ist willkommen. Der Höhepunkt der Party steigt just in dem Moment, wenn Herrchen zum Tanken die raststätte anfährt. Fokussiere die Partygäste auf snickers, twix, mars, magnum und ....schoko crossies.
    Nur dieser EINE Sieg gegen Dein Herrchen gibt Dir das Vertrauen in Deine Stärke zurück. Du wirst dann künftig mit diabolischer Freude auf den nächsten passenden Moment warten und wirst wieder siegen. Die passenden Momente werden immer mehr werden, Du wirst sehen.
    So, und nu sei mal ein echter Kerl unter uns Schweinehunden, is ja peinlich!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Toll. Wenn wir mal lange im Auto unterwegs sind, bereitet Herrchen sich a k r i b i s c h aufs Essen vor und deutsche Autobahnraststätten benutzt er nur, um aus Protest gegen völlig überteuerte Toilettenbenutzungspauschalen gegen die Hauswand zu pinkeln. Aber netter Versuch.

      Löschen